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Stadtwerke prüfen Einstieg ins Internet-Geschäft

Die Stadtwerke Versmold haben für Kunden im Außenbereich Internet über Funk etabliert. Nun denken die Verantwortlichen über noch größere Projekte nach GRAFIK: SANDRA NEUMANN

Der Versorger hat vor gut einem Jahr das Funknetz des insolventen Unternehmens Servario übernommen und liefert seither Kunden im
Außenbereich von Hesselteich und Oesterweg Internet. Mit den Erfahrungen im Rücken hat das Unternehmen nun Größeres vor.

Versmold. In einer Notsituation waren die Stadtwerke im Herbst 2018 eingesprungen: Das Unternehmen Servario hatte Insolvenz angemeldet, darum drohte das von ihm gespannte Funknetz für die Außenbereiche zu zerreißen (das HK berichtete). Auch für die Stadtverwaltung bedeutete das ein ernstes Problem, hatte doch Bürgermeister Michael Meyer-Hermann die Versorgung der ländlichen Gebiete mit Internet auf seine Agenda geschrieben: zunächst mit einer Übergangstechnologie, dann über den Breitbandausbau. 
„Wir sind technisch gut aufgestellt und haben die Zahl der Kunden gesteigert“ 
Also sprang der kommunale Energieversorger in die Bresche, übernahm das Netz und stabilisierte es. Nach einigen Monaten im „Notbetrieb“, so Stadtwerke- Chef Jörg Kogelheide, „liefern wir seit Januar stabile Leistung“. Kunden können zwischen Bandbreiten von 16 und 25 Mbit pro Sekunde wählen und auch per Funk telefonieren. Dass die Tarife für Stadtwerke- Kunden günstiger sind, sei zunächst ein Diskussionsthema gewesen, „mittlerweile steht das aber nicht mehr im Fokus“. 
Für die Stadtwerke war das Projekt Neuland, doch Jörg Kogelheide ist bislang zufrieden: „Wir sind technisch gut aufgestellt und haben die Zahl unserer Kunden um zehn Prozent auf etwa 120 gesteigert.“ Vier Funktürme betreiben die Stadtwerke aktuell, um das Netzaufzuspannen:ander Klare Straße, dem Leimweg und der Schnepfenstraße sowie in Herzebrock-Clarholz am Pötterturm. Letzterer Standort fungierte bei Servario zuvor als Hauptverteiler, der ist mittlerweile allerdings an die Klare Straße umgezogen. Dennoch erreichen die Stadtwerke weiterhin auch Kunden im Gütersloher Südkreis. 
Die Herausforderung für den Versorger bleibt es, die Verbindung stabil zu halten. „Funk braucht freie Sicht, da mussten wir in unserem Gebiet tatsächlich auch schon mal nacharbeiten und zum Beispiel Bäume freischneiden“, berichtet der Geschäftsführer. Probleme, die bei leitungsgebundenem Internet naturgemäß nicht auftauchen. Bedeutet der laufende Breitbandausbau, der bald auch Hesselteich erreicht hat, also das Aus für die Funknetz-Lösung der Stadtwerke? 
„Anfragen von Kunden dazu hatten wir schon. Wir werden das Netz aber auf jeden Fall auch 2020 noch aufrecht erhalten und keinesfalls einfach abschalten“, verspricht Jörg Kogelheide. Denn zunächst einmal gelte es abzuwarten, wie sich die Nachfrage nach der Funklösung entwickele, wenn das Breitband-Internet kommt. Zudem wird es auch Haushalte geben, die vom aktuellen Ausbau nicht profitieren. Aber klar ist: Schnelles Netz via Kabel wird die Funklösung unattraktiver machen. 
Also denken die Verantwortlichen bei den Stadtwerken weiter. „Wir haben die Thematik jetzt durchdrungen und wissen, wie man Internetdienstleistungen anbietet“, bestätigt Jörg Kogelheide. 
Bei leitungsgebundener Versorgung haben die Stadtwerke als Anbieter von Strom, Gas und Wasser ohnehin größte Expertise. „In die sogenannte Aktivtechnik müssten wir uns noch einarbeiten.Wenn es also darum geht, das Glasfaserkabel auch zu beleuchten – aber das ist machbar“, schätzt Kogelheide. Der Energiemanager ist immer auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern, betont jedoch: „Wir wollen und dürfen nichts machen, was dauerhaft defizitär ist.“ Darum böten sich die 500 Kunden im Versmolder Außenbereich, die nicht vom Breitbandausbau profitieren werden, zwar als Projekt für die Stadtwerke an – „wenn wir das richtig betreiben wollen, müssen wir es aber noch größer aufbauen“, erklärt Jörg Kogelheide. 
Konkret bedeutet das: Die Stadtwerke würden in ihrem gesamten Versorgungsgebiet plus dem der Stadtwerke Harsewinkel, an denen sie beteiligt sind, Internetdienstleistungen anbieten: „So könnten wir theoretisch 65.000 Kunden in Versmold, Dissen, Bad Rothenfelde und Harsewinkel erreichen und unsere Marke dort platzieren. Denn der Markt ist umkämpft, wir brauchen Skaleneffekte“, erklärt Kogelheide. Dabei würde der Versmolder Versorger zum Teil eigene Leitungen aufbauen, aber auch bestehende Infrastruktur anderer Netzbetreiber nutzen. „Die Entscheidung erfolgt auf wirtschaftlicher Basis“, so der Chef des kommunalen Unternehmens. 
Ob die Stadtwerke wirklich groß ins Internetgeschäft einsteigen, entscheidet sich im nächsten Jahr. „Ich würde dem Aufsichtsrat einen entsprechenden Vorschlag machen. Wenn der zustimmt, müsste noch der Stadtrat entscheiden“, erklärt Jörg Kogelheide. So könnte aus einem Notprojekt ein neuer Geschäftszweig werden.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019 - Marc Uthmann

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