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Das Internetsignal wird per Funk über Sendemasten übertragen - FOTO: GUENTER ALBERS

Lösung für dünn besiedelte Gebiete: Das Internetsignal wird per Funk über Sendemasten übertragen, wie derzeit im Versmolder Außenbereich. - FOTO: GUENTER ALBERS

Internet per Richtfunk: Die Stadtwerke haben die Versorgung von knapp 100 Kunden im Außenbereich übernommen. Technische Probleme werden behoben. Doch die Preispolitik sorgt bei einigen Nutzern für Ärger

Von Marc Uthmann
Versmold-Hesselteich. Wenn man so will, haben Heike Schlöpker-Wacker und Claudia Landwehr bislang auf der Insel der Glückseligen gelebt.Zumindest, was ihre Internetverbindung anging. Das könnte angesichts der jüngsten Debattenum die Insolvenz des Internetanbieters Servario (das HK berichtete) verwundern, denn beide Frauen waren Servario-Kunden. Aber eben die mit den besten Bedingungen. 

 

Nah dran

„Das war super", sagt Heike Schlöpker-Wacker . „Ich hatte eine 50.000 er -Leitung ." Die Hesselteicherin wohnt in der Straße Zur Heide in der sogenannten Temme-Siedlung – und weil der nächste Funkturm am Klärwerk nicht weit ist, kam sie bisher in den Genuss einer Surfgeschwindigkeit von 50 Megabit (Mbit) pro Sekunde. Ähnlich schnell war die Leitung von Claudia Landwehr, die nicht weit entfernt an der Vorbruchstraße wohnt. „Natürlich hatten auch wir mit den Ausfällen zu kämpfen, die zuletzt beschrieben wurden. Vor allem an den Wochenenden. Aber im regulären Betrieb konnten wir zum Beispiel problemlos Videos streamen. Wir waren so froh." Seit dem 1. September ist die Lage jedoch eine andere.

 

Technische Mängel

Zu diesem Zeitpunkt haben die Stadtwerke Versmold das Netz von Servario übernommen – und die Geschwindigkeit zunächst einmal auf sechs Mbit gedrosselt. Aus gutem Grund, wie Stadtwerke-Chef Jörg Kogelheide auf HK-Anfrage erklärt: „Wir mussten im Netz viel verändern und zunächst einmal für Stabilität sorgen." Einige Einstellungen hätten bislang nicht gepasst – wodurch unter anderem auch die Insel der Glückseligen entstanden sei: „Es gab Kunden, bei denen keine Begrenzungen eingestellt waren. Die haben dann einen Großteil der Bandbreiten abgegriffen und bei anderen kam viel weniger Surfvolumen an." Das würde die Beobachtungen anderer Servario-Kunden erklären, die wie berichtet maximal neun Mbit erreichten.

 

Besserung in Sicht

„Derzeit wird es eng bei der Kopplung ans übergeordnete Netz – der sogenannten Backbone-Anbindung", erklärt Kogelheide. „Wir haben neue Frequenzen beantragt, die Hardware aufgerüstet und wollen ab Dezember größere Bandbreiten anbieten." Dann sollen die Kunden zwischen 16 Mbit und 25 Mbit wählen können – im Oktober und November zahlen sie noch nichts für das Internet und auch nicht fürs Telefon. Doch läuft laut Aussage von Claudia Landwehr auch noch nicht alles rund: „Unsere Telefonleitung ist oft tot." Gerade die Hesselteicher, die künftig Internet und Telefon über die Stadtwerke beziehen, sind aufs Telefon angewiesen – die Aussichten, schnell einen Anschluss der Telekom zu bekommen, sind derzeit gering.

 

Neue Preise irritieren

Derzeit klappern die Stadtwerke die ehemaligen Servario-Kunden ab und legen ihnen Verträge vor. Was ihr angeboten wird, ärgert Heike Schlöpker-Wacker: „Ich surfe künftig langsamer und würde beim 25-Mbit-Tarif plus Telefon künftig 30 Euro mehr im Monat bezahlen." Warum die Hesselteicherin bislang nur 47,47 Euro im Monat inklusive Telefon zahlen musste, Claudia Landwehr für das gleiche Angebot hingegen knapp 60, wird das Geheimnis von Servario bleiben. Klar ist: Künftig zahlt Claudia Landwehr weniger als ihre Freundin, denn sie ist Stadtwerke-Kundin. Wer beim kommunalen Versorger schon Strom und Gas bezieht, erhält beim Funk-Internet und Telefon günstigere Konditionen. „Ich bin sauer", sagt Heike Schlöpker-Wacker. „Die sind doch nicht die Telekom, sondern ein kommunales Unternehmen." Vor allem für die Menschen in Hesselteich und Umgebung gebe es keine Alternativen. „Dann kann man so was nicht machen."

 

„Niemand sonst wollte"

Wenn er solche Kritik hört, fühlt sich Stadtwerke-Chef Jörg Kogelheide schon etwas ungerecht behandelt: „Man darf nicht vergessen, dass wir hier ein Netz übernommen haben, das sonst niemand wollte. Kein anderes als ein kommunales Unternehmen würde so handeln." Selbst wenn man die Technik künftig günstig darstelle, werde das Funknetz keine Goldgrube. „Wenn es gut läuft, schreiben wir eine schwarze Null."

 

Anreiz zum Wechsel

Dass Energiekunden der Stadtwerke von besseren Tarifen profitieren, findet Kogelheide nicht anstößig: „Wir haben sie schon in unserer Datenbank, besitzen Einzugsermächtigungen – das macht es für uns günstiger." Zudem sollten die Tarife ein Anreiz sein, zu den Stadtwerken zu wechseln. „Und auch unsere Stammkunden dürfen doch erwarten, von der Partnerschaft zu profitieren – solche Geschäftsbeziehungen sind in der Wirtschaft üblich." Die neuen Preise hält der Stadtwerke-Chef insgesamt für marktgerecht: „ Servario ist ja unter anderem deshalb in die Insolvenz gegangen, weil der Betrieb eben nicht kostendeckend gearbeitet hat."

 

Rechtlich sauber

Mit ihrer Preispolitik bewegen sich die Stadtwerke übrigens zunächst einmal im gesetzlichen Rahmen. „Grundsätzlich gilt auch im Rahmen der Preisgestaltung Vertragsfreiheit", sagt Oliver Müller aus der Gruppe Verbraucherrecht der Verbraucherzentrale NRW auf Anfrage des Haller Kreisblattes. „Allerdings muss die Situation gegebenenfalls auch im Rahmen des Kartell- und Wettbewerbsrechts immer individuell bewertet werden. Fraglich ist auch, wie sich die Marktsituation für die Verbraucher auswirkt." Der Bundesgerichtshof hatte schon 2003 zu genau diesem Thema geurteilt: Ein Kopplungsangebot, mit dem ein marktbeherrschender Stromversorger Strom- und Telekommunikationsdienstleistungen zu einem vergünstigten Gesamtgrundpreis anbietet, sei grundsätzlich nicht zu beanstanden. Allerdings dürfe die Kopplung nicht erzwungen sein oder andere Wettbewerber abschrecken. Ersteres ist nicht der Fall – und der Weg zur Telekom steht den Kunden weiter offen, zumindest theoretisch ...

 

Städtisches Interesse

Bürgermeister Michael Meyer-Hermann bekam die Kritik einiger Kunden an den künftigen Tarifen ebenfalls zu hören: „Das ist nachvollziehbar und auch über die Höhe der Preisunterschiede kann man immer diskutieren", sagt er. Doch wollten sich die Stadtwerke nicht bereichern, sondern die Versorgung aufrechterhalten. „Und auch ein kommunales Unternehmen muss wirtschaftlich handeln." Um die Internetversorgung gezielt zu steuern, fehlten Städten schlicht die rechtlichen Voraussetzungen. „Und das, obwohl der Markt hier versagt."

 

Kommentar: Berechtigte Ansprüche

Für die Menschen ist Internet mittlerweile ein Produkt der Grundversorgung. Nahezu gleichberechtigt neben Strom, Gas und Wasser. Und dieser Eindruck verstärkt sich, wenn ein kommunales Unternehmen bei Marktversagen in die Versorgung einsteigt. Die Menschen erwarten ein schnelles Netz – so wie sie fließendes Wasser erwarten. Und an ein städtisches Unternehmen stellen sie darum höhere Ansprüche als zum Beispiel an die Telekom. Verständlich, dass erhebliche Preisunterschiede da zumindest irritieren. Auf der anderen Seite haben Städte beim Netzausbau kaum Spielräume. Dass Deutschland bei einer solch wichtigen Fortschrittstechnologie hinterherhängt, darf da nicht verwundern.

 

Quelle: Haller Kreisblatt, 31. Oktober 2018

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