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Windkraft in der Warteschleife

Im Frühjahr will die Stadtverwaltung Untersuchungsergebnisse für neue Flächen vorstellen

Versmold. Um das nahe liegende Wortspiel gleich zum Einstieg abzuhandeln: In den vergangenen Monaten wurde immer mal wieder ordentlich Wind gemacht – derzeit scheint jedoch Flaute zu herrschen in der Debatte um zusätzliche Flächen für Windkraftanlagen in Versmold. Noch. Denn im Frühjahr dürften die Ergebnisse einer gutachterlichen Untersuchung vorliegen; spätestens dann rückt auch ein möglicher Bürgerwindpark wieder in den Blickpunkt.

Viel Potenzial für weitere Windräder gibt es in Versmold wie mehrfach berichtet ohnehin nicht – immerhin 13 Hektar Fläche wurden schließlich für eine detailliertere Untersuchung ausgewählt. Wo die untersuchten Flächen liegen, offenbart die Stadtverwaltung nach wie vor nicht: Sie will ein Bieterrennen um die potenziell wertvollen Gebiete verhindern.

"Die Artenschutzprüfung, die wir für die betreffenden Bereiche in Auftrag gegeben haben, wird derzeit abgeschlossen, und auch die Darstellung der Ergebnisse auf einer entsprechenden Karte ist fast fertig", sagt Nina Herrling, städtische Fachbereichsleiterin für Planen, Bauen und Umwelt im Versmolder Rathaus, auf Anfrage des Haller Kreisblattes.

Flächen hängen von vielen Vorgaben ab


Diese Resultate müssen allerdings noch mit weiteren Vorgaben aus dem Stadtrat abgeglichen werden: So soll ein Windrad mindestens das Dreifache seiner Höhe als Abstand zur nächsten Wohnbebauung aufweisen. Und schließlich möchten Politik und Verwaltung bevorzugt Bürgerprojekte umgesetzt sehen – mit mindestens zwei Anlagen als kleiner Bürgerwindpark. Aus der Schnittmenge all dieser Anforderungen wird sich schließlich herauskristallisieren, wie viel Fläche überhaupt für zusätzliche Windkraft in Versmold zur Verfügung steht. "Wir werden die Ergebnisse im März oder April im Planungs- und Umweltausschuss vorstellen", kündigt Nina Herrling an. Noch könne sie keine inhaltliche Aussage treffen, geht aber davon aus, dass Gebiete für neue Projekte übrig bleiben.

Wenn die Ergebnisse der Untersuchung politisch beraten sind, könnten neue Vorrangflächen für Windkraft ausgewiesen werden. "Ich gehe davon aus, dass wir das noch 2014 umsetzen und damit die Basis für neue Windräder schaffen können", sagt Nina Herrling.

Und genau an dieser Stelle würde auch die Strom- und Gasversorgung Versmold (SGV) wieder mit im Boot sitzen wollen. Das heimische Energieunternehmen hatte wie berichtet bereits sein Interesse bekundet, ein Bürgerwindprojekt in Versmold zu unterstützen.

"Ökologie und Ökonomie müssen stimmen"


"Als städtisches Tochterunternehmen ist es für uns selbstverständlich, die Erzeugung regenerativer Energien vor Ort zu fördern", sagt SGV-Chef Jörg Kogelheide dem HK. Natürlich wäre ein kleiner Bürgerwindpark kein Projekt, das in der Bilanz der SGV eine große Rolle spielen würde. "Trotzdem müssen Ökologie und Ökonomie stimmen: Denn nur wenn die Bürger mit Windkraft auch Geld verdienen können, werden sie bereit sein, zu investieren", betont Kogelheide mit Blick auf die nötigen Rahmenbedingungen.

Die SGV will ihre immense Erfahrung auf dem Gebiet einbringen, um das Projekt profitabel zu machen. Immerhin erzeugen die beiden Windparks im bayerischen Laubersreuth und im sächsischen Golmitz, an denen sich die Strom- und Gasversorgung zu einem Viertel beteiligt hat, jährlich 44 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom. Zusätzlich produziert die SGV mit eigenen Fotovoltaikanlagen im Jahr 1,2 Millionen kWh aus regenerativen Quellen – übrigens immer noch weniger als zehn Prozent der 160 Millionen kWh, welche der heimische Versorger im gleichen Zeitraum ins Versmolder Netz einspeist. Beim Bürgerprojekt hat der SGV-Geschäftsführer bereits einige für die Umsetzung wichtige Aspekte im Blick: „Ob es weiter in ähnlichem Umfang wie bisher Fördermittel für Windkraftanlagen geben wird, ist fraglich. Sollte die staatliche Unterstützung allerdings sinken, würden auf der anderen Seite wohl auch die Anlagenbauer mit ihren Preisen runtergehen, um weiterhin die von ihnen kalkulierten Mengen absetzen zu können.“ Solche Entwicklungen gelte es genau zu beobachten, um das Projekt zum Erfolg zu führen.

Strom- und Gasversorgung will auch planen und bauen


Generell befinde sich der Markt für Windkraftanlagen im Umbruch, sagt Kogelheide. "Die Beteiligung an fertigen Parks ist derzeit nicht mehr möglich – es gibt schlicht keine interessanten Angebote auf dem Markt", sagt der Energiemanager. Grund genug für die SGV, mit 4,17 Prozent bei der Windenergie Westfalen-Lippe GmbH einzusteigen (das HK berichtete). "Wir wollen uns in Zukunft auch an der Planung und am Bau von Anlagen beteiligen und hier Renditen erzielen", begründet Kogelheide. Klingt nach einer Menge Kompetenz, um in den kommenden Monaten viel Wind zu machen – auch für einen Versmolder Bürgerwindpark.

Quelle: Haller Kreisblatt Nr. 30, 05.02.2014

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